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Über- und Unterzuckerung

Der Blutzucker von Menschen mit Typ-2-Diabetes schwankt stark und oft. Deshalb müssen sie regelmäßig ihren Blutzucker messen, um das Insulin richtig zu dosieren und eine Überzuckerung oder Unterzuckerung zu vermeiden. Das ist auch wichtig, um ein diabetisches Koma zu verhindern. Zur Prävention dieser „Entgleisungen“ des Stoffwechsels erhältst du hier deshalb Tipps. Für Patienten mit einem Typ-2-Diabetes steht außerdem ein spezielles Patientenprogramm in unserer App zur Verfügung, unser Diabetes Guide.

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Hyper- und Hypoglykämie

Sowohl die Überzuckerung (Hyperglykämie) als auch die Unterzuckerung (Hypoglykämie) sind extreme Zustände des Stoffwechsels, die durch einen zu geringen oder zu hohen Anteil gelöster Glukose im Blut entstehen (Blutzuckerspiegel / Zuckerwerte).

Zu einer Unterzuckerung kommt es vor allem bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, die sich regelmäßig Insulin spritzen, aber auch bei Menschen, die insulinfreisetzende Medikamente wie Sulfonylharnstoffe nehmen. Sie kann ebenfalls auftreten, wenn man zu wenig isst oder zu viel Alkohol trinkt. Wenn man die Anzeichen einer beginnenden leichten „Hypo“, wie die Unterzuckerung im Alltagtag umgangssprachlich genannt wird, rechtzeitig bemerkt, kann man durch die Zufuhr von Kohlehydraten den Abfall des Blutzuckers meistens gut in den Griff bekommen.

Eine Überzuckerung, also ein zu hoher Blutzuckerwert, tritt sowohl bei Menschen mit Typ-1-Diabetes als auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auf, wenn sie sich nicht richtig ernähren oder die medikamentöse Therapie ein- oder umgestellt wird. Vor allem bei Menschen mit Typ-1-Diabetes ist zudem das Risiko auf eine diabetische Ketoazidose erhöht. Eine akute Gefahr, die auftritt, wenn wenig oder gar kein Insulin mehr im Blut vorhanden ist. Diese kann sogar zum diabetischen Koma führen, was lebensgefährlich ist. Das Risiko ist bei einem Typ-1-Diabetes besonders hoch, da der Körper bei diesem Diabetes-Typ gar kein eigenes Insulin mehr produziert. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes stellt der Körper zumindest geringe Mengen noch selbstständig her. Doch auch dann kann es zu einem diabetischen Koma kommen, nämlich im Rahmen des sog. hyperglykämischen hyperosmolaren Syndroms (Blutzuckerwerte >600 mg/dl bzw. 33,3 mmol/l). Deshalb ist es wichtig, bei den ersten Anzeichen einer Überzuckerung sensibel zu reagieren und mit der Gabe von Insulin und erhöhter Flüssigkeitszufuhr zu reagieren.

Übrigens: auch bei eigentlich gesunden Menschen (bzw. Menschen ohne Diabetes) kann es durch Risikofaktoren oder bestimmte Erkrankungen zu Über- und Unterzuckerung kommen. Zum Beispiel durch das sog. Dumping-Syndrom bei Personen, denen ein Stück des Magens entnommen wurde, durch zu viel Zucker in kurzer Zeit, durch Stoffwechselerkrankungen (z.B. Glykogenosen oder Fruktoseintoleranz), durch Sulfonamide (Antibiotika) oder Beta-Blocker. Bleiben diese Symptome lange unbeachtet bzw. wird die zugrundeliegende Erkrankung nicht behandelt, kann sich mit der Zeit ein Prädiabetes und später ein handfester Typ-2-Diabetes entwickeln.

Deshalb ist es für Menschen mit Diabetes, deren Angehörige und/oder pflegende Personen, sowie für gesunde Menschen gleichermaßen wichtig, die Symptome und Ursachen bei Überzuckerung und Unterzuckerung zu kennen und zu wissen, wie man in diesen Fällen richtig reagiert.

Diabetes Typ 2

Ursachen & Risikofaktoren

Bei der Entstehung der Zuckerkrankheit wirken viele Faktoren zusammen. Eine Schlüsselrolle spielt jedoch das Hormon Insulin, welche den Glukosestoffwechsel maßgeblich beeinflusst.

Symptome bei Unterzuckerung

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) besteht, wenn der Blutzucker unter 4 mmol/l bzw. 70 mg/dl sinkt. Die Anzeichen für eine Unterzuckerung sind individuell unterschiedlich und variieren je nach Schweregrad der Unterzuckerung.

Zunächst einmal bedeutet eine Unterzuckerung immer großen Stress für den gesamten Organismus. Insbesondere das Gehirn ist auf Glukose als Energieträger angewiesen. Deshalb kann es bei einer schweren Unterzuckerung auch zu neurologischen Symptomen wie Sprachstörungen oder Koordinationsproblemen kommen. Doch eine schwere Unterzuckerung entwickelt sich fast immer aus einer zu Beginn leichten Unterzuckerung. Deshalb ist es wichtig zu wissen, auf welche Symptome man achten und wie man reagieren muss.

Vorsicht vor der Hypoglykämiewahrnehmungsstörung

Einer der wichtigsten Risikofaktoren dafür, dass aus einer leichten Unterzuckerung eine schwere Unterzuckerung, bis hin zum diabetischen Koma wird, ist die sog. Hypoglykämiewahrnehmungsstörung.

Kommt es immer wieder zu leichten Unterzuckerungen, oder ist der Blutzuckerspiegel chronisch niedrig (zu niedriger HbA1c-Wert), ignoriert der Körper mit der Zeit die typischen Warnsignale einer beginnenden Unterzuckerung. Er stellt sich auf die Situation ein. Warnsignale wie Schwindel, Zittern oder innere Unruhe treten dann nicht mehr auf bzw. werden nicht mehr wahrgenommen. Stattdessen kommt es direkt zu Krämpfen, Seh- und Sprachstörungen, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Dies kann man nur verhindern, indem man konsequent darauf achtet, jegliche Unterzuckerung (auch leichte Hypoglykämien) zu verhindern.

Der Körper reagiert auf einen zu geringen Blutzucker zunächst mit der Beschleunigung der Glykogenolyse (Glykogen wird schneller in Glukose zerlegt) und der Gluconeogenese (Neubildung von Zucker). Dazu müssen die Nebennieren mehr Stresshormone wie Kortisol und Adrenalin ins Blut abgeben.

Die Symptome einer leichten Unterzuckerung sind deshalb vor allem auf diese erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen zurückzuführen.

Symptome bei beginnender leichter Unterzuckerung

  • Zittern
  • Schweißausbrüche (Kaltschweiß)
  • Nervosität
  • Reizbarkeit
  • Heißhunger
  • Herzklopfen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Schwindel
  • Blasse Haut
  • Übelkeit und Erbrechen

Reagiert man bei diesen ersten Anzeichen nicht mit der schnellen Zufuhr von Kohlehydraten bzw. Glukose (ein paar Traubenzucker oder ein Glas Fruchtsaft), schreitet die Unterzuckerung fort.

Mit der Zeit kann es dann zu einer schweren Unterzuckerung kommen, die mitunter auch häufig zu neurologischen Symptomen führt.

Symptome bei schwerer Unterzuckerung

  • Kopfschmerzen
  • Plötzliche Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Verwirrtheit
  • Krämpfe
  • Sprach- und Sehstörungen
  • Koordinationsschwierigkeiten
  • Bewusstlosigkeit
  • Wortfindungsstörungen
  • Gedankenflucht
  • Sehstörungen wie z.B. Doppelbilder
  • Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit)
  • Selten: Lähmungserscheinungen

Ursachen der Unterzuckerung

Auf den ersten Blick scheint es recht ungewöhnlich, dass Menschen mit Diabetes mellitus, deren Hauptproblem eigentlich ein zu hoher Blutzuckerspiegel ist, relativ häufig in den Zustand der Hypoglykämie geraten. Grund sind häufig Fehler im Rahmen der Insulintherapie und/oder der Ernährung. Jedoch gibt es auch noch andere Ursachen.

Besonders häufig ist eine Überdosierung der Medikamente, insbesondere von Insulin oder von Sulfonylharnstoffen wie Glibenclamid. Letztere regen die Bauchspeicheldrüse bei Menschen mit Typ-2-Diabetes dazu an, mehr körpereigenes Insulin ins Blut abzugeben. Im Rahmen der Insulintherapie nehmen Patienten das Insulin direkt als Spritze oder Tablette auf. Die genaue Dosierung des Insulins muss jedoch stets an geplante Mahlzeiten und weitere Faktoren angepasst werden. Nehmen Menschen mit Diabetes zu viel Insulin, zum Beispiel weil sie den Kohlehydrategehalt einer Mahlzeit zu hoch eingeschätzt haben, kommt es zu einer Überdosierung. Das kann auch dann passieren, wenn sich Menschen mit Diabetes ungewöhnlich viel bewegen. Körperliche Aktivität führt bei Menschen mit Diabetes dazu, dass sie weniger Insulin spritzen müssen. Aller über Bolus & Korrektur im Rahmen der Insulintherapie erfährst du in unserem Artikel zum Thema.

Mögliche Ursachen für eine Unterzuckerung

  • zu viel Insulin gespritzt
  • Insulin wurde in den Muskel statt in das Unterhautfettgewebe gespritzt
  • zu großer Abstand zwischen Insulingabe und Nahrungsaufnahme
  • zu hoher Fettanteil oder Eiweißgehalt in der Nahrung verzögert die Magenentleerung, wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt, bevor neue Glukose ins Blut gelangt
  • Einnahme bestimmter blutzuckersenkender Tabletten (Sulfonylharnstoffe)
  • zu wenig Kohlenhydrate 
  • erhöhte körperliche Anstrengung (Sport, Haus- und Gartenarbeit)
  • verbesserte Insulinwirksamkeit durch Wärme (Sonnenbad, Sauna)
  • Alkoholkonsum
  • schnelle Gewichtsabnahme
  • Magen-Darm-Infektion mit Erbrechen

Ursachen für Unterzuckerung ohne Diabetes

  • Unterfunktion der Hypophyse
  • Insulinome (meist gutartige Tumore der Bauchspeicheldrüse, die unkontrolliert Insulin produzieren)
  • zu strenges bzw. unkontrolliertes Fasten und Diäten
  • Lebererkrankungen
  • Fruktoseintoleranz
  • Zöliakie
  • Beta-Blocker
  • Sulfonamide
  • Alkoholmissbrauch
  • Schwangerschaftsdiabetes

Bei Unterzuckerung richtig verhalten

Die wichtigste Grundregel im Umgang mit einer Unterzuckerung lautet: Erst essen, dann messen!  

Du solltest also zu jeder Zeit ausreichend schnell verfügbare Kohlenhydrate griffbereit haben. 10 g bis 20 g Glukose sind normalerweise notwendig, um einen leichten Unterzucker zu behandeln. Im Falle eines Blutzuckertiefs nimm deshalb sofort „schnelle“ Kohlenhydrate wie Traubenzucker (2-4 Plättchen) oder Fruchtsaft bzw. Limonade (200 ml) zu dir, um den Blutzuckerspiegel zu normalisieren.  Alternativ kannst du im Notfall auch auf Süßigkeiten wie Gummibärchen (12 Stück) oder Honig bzw. Konfitüre (mind. 1 EL) zurückgreifen. 

Achtung: Fetthaltige Süßigkeiten wie Schokolade wirken zu langsam. Grundsätzlich wirken in Flüssigkeit gelöste Kohlenhydrate schneller als feste Nahrungsmittel. Hier aber auf keinen Fall zu „Zero Sugar“-, „Light“- oder „Diet“-Varianten greifen!

Miss deinen Blutzucker nach ca. 15 Minuten und nimm bei Bedarf weitere Kohlenhydrate zu dir. Der Wert sollte nicht unter 5,6 mmol/l bzw. 100 mg/dl liegen. Zur Stabilisierung des Blutzuckers kannst du zusätzlich – nach erfolgreicher Akutbehandlung mit Traubenzucker oder Fruchtsaft – noch einige „langsame“ Kohlenhydrate wie Brot oder Obst konsumieren. So beugst du weiteren Hypoglykämien vor.

Um häufige Unterzuckerungen zu vermeiden, analysiere (und dokumentiere!) nach jeder Unterzuckerung potentielle Auslöser, Symptome und wirksame Gegenmaßnahmen. Das hilft dir, dein Verhalten entsprechend anzupassen und zukünftigen Unterzuckerungen zu vermeiden. Sprich das Thema und konkrete Vorfälle auch bei deinem behandelnden Arzt an. 

Sonderfall: Nächtliche Unterzuckerung, die im Schlaf auftreten, werden von Betroffenen häufig erst nach dem Aufwachen erkannt. Anzeichen können Kopfschmerzen, verschwitze Schlafkleidung, Abgeschlagenheit, aber auch Albträume sein.

Um einer möglichen Unterzuckerung im Schlaf vorzubeugen, solltest du auf eventuelle Veränderungen im Alltag achten. Sport oder Alkohol vorm Schlafengehen beispielsweise wirken sich auch nach Stunden noch auf deinen Blutzucker aus. Gegebenenfalls ist auch eine nächtliche Überwachung deines Blutzuckers angebracht. 

Stellst du nächtliche Unterzuckerungen bei dir fest, sprich mit deinem Arzt über entsprechende Therapiemaßnahmen.

So vermeidest du Unterzuckerungen

Niedrige Blutzuckerwerte können durch verschiedene Umstände ausgelöst werden. Wichtig ist, dass du mögliche Auslöser kennst und entsprechend handelst:

  • Zu wenige Kohlenhydrate: Manchmal lenken einen Veränderungen im Alltag dermaßen ab, dass tägliche Selbstverständlichkeiten wie die Nahrungsaufnahme aus dem Rhythmus geraten. Gleiches gilt übrigens auch für die Erholung vom Alltag – im Urlaub.

    Tipp: Kleine digitale oder analoge Erinnerungen helfen dir, auch in solchen Situationen den Überblick zu behalten. 
  • Erhöhte Anstrengung: Bewegst du dich mehr als üblich, etwa weil du zusätzlich zum Sport noch bei der Gartenarbeit aktiv bist, oder dein Kreislaufsystem bei einem Saunabesuch forderst, kann sich dass auf deinen Blutzucker auswirken.

    Tipp: Miss deinen Blutzucker an besonders belastungsreichen Tagen ruhig öfter als gewöhnlich. 
  • Fehlerhafte Einnahme: Ist der Abstand zwischen der Insulingabe und Nahrungsaufnahme zu groß, wirkt sich das natürlich auf deinen Blutzucker aus.

    Tipp: Nutze auch hier kleine digitale oder analoge Erinnerungen, um nichts zu vergessen. 
  • Sulfonylharnstoffe: Bestimmte Diabetes-Medikamente (z.B. Sulfonylharnstoffe), können ähnlich wie Insulin Unterzuckerungen verursachen, wenn Mahlzeiten ausgelassen werden oder im Alltag mehr Bewegung hinzukommt.

    Tipp: Besprich die Auswirkungen dieser Medikamente auf den Blutzucker mit deinem Arzt und reagiere bei den ersten Anzeichen einer Unterzuckerung mit schnellen Kohlenhydraten.
  • Infektionen: Infektionen, insbesondere Magen-Darm-Infektionen, können eine große Anstrengung für den Körper bedeuten. Bedingt durch Durchfall oder Erbrechen schafft es der Köper mitunter nicht, aufgenommene Kohlenhydrate zu verwerten. Hinzu kommt eine allgemeine Appetitlosigkeit.

    Tipp: Versuche nach einer Insulingabe Kohlenhydrate in flüssiger Form aufzunehmen, z.B. Tee mit Honig oder Zucker. Sprich unbedingt mit deinem Arzt, wenn du Insulin spritzt oder Sulfonylharnstoffe einnimmst.
  • Alkoholkonsum: Kohlenhydrate im Alkohol (z.B. in Bier oder süßem Sekt) lassen deinen Blutzucker kurzfristig steigen. Allerdings ist die Leber anschließend für die nächsten Stunden vorrangig mit dem Alkoholabbau beschäftigt, die Abgabe von Zucker ins Blut wird vernachlässigt – eine Unterzuckerung droht. Miss deswegen vor dem Schlafengehen deinen Blutzuckerspiegel. Bei reichlichem Alkoholgenuss sollte der Zuckerwert um 200 mg/dl (bzw. 11,1 mmol/l) liegen.

    Tipp: Achte auf einen maßvollen Umgang mit Alkohol und konsumiere kohlenhydrathaltige Speisen dazu.

Diabetes Typ 2

Diagnose

Wie läuft die Diagnose bei Verdacht auf Typ-2-Diabetes ab? Und was sind eigentlich der kleine und große Zuckertest? Welche Blutzuckerwerte sind bedenklich und welche nicht?

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Erste Hilfe bei schwerer Unterzuckerung

Bemerkt man eine leichte Unterzuckerung rechtzeitig, so kann man gezielt mit Traubenzucker und Fruchtsaft gegensteuern, nach 15 Minuten den Blutzuckerwert messen, bei Bedarf erneut Glukose zuführen und nach erfolgreicher Behandlung (Blutzuckerwert >100 mg/dl bzw. >5,6 mmol/l) einen normalen Snack zu sich nehmen, z.B. Brot, Obst oder Joghurt.

Bleibt eine Unterzuckerung jedoch lange Zeit unbemerkt, kommt es zur schweren Unterzuckerung. Auch hier kann man zunächst ähnlich vorgehen wie bei einer leichten Hypoglykämie, also mit der schnellen Zufuhr von Glukose.

Der Unterschied zur leichten Überzuckerung ist hier jedoch, dass Betroffene sich, aufgrund neurologischer Symptome, oft nicht mehr selbstständig helfen können. Hier müssen also Angehörige oder Ersthelfer für die Zufuhr der Glukose sorgen.

Zudem benötigt man in diesem Fall 30 g Glukose, also etwas mehr als bei leichter Unterzuckerung. Das entspricht ca. 2 Gläsern Fruchtsaft oder 5 bis 6 Plättchen Traubenzucker. Nach 15 Minuten wird der Blutzucker gemessen. Liegt er unter 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l, führt man erneut Glukose zu.

Diese Vorgehensweise gilt zudem nur, solange die Betroffenen noch bei Bewusstsein sind.

Sind die Betroffenen bereits bewusstlos, müssen andere Sofortmaßnahmen umgesetzt werden:

  • 112 Rufen
  • Betroffene in stabile Seitenlage bringen
  • ggf. Essensreste oder Zahnprothesen vorsichtig aus dem Mund oder den Mundwinkeln entfernen
  • wenn verfügbar, 1 Milligramm Glukagon unter die Haut oder in einen Muskel stechen (der Oberschenkelmuskel oder Oberarm bieten sich an)
  • erlangen die Betroffenen ihr Bewusstsein zurück, verabreiche Glukose als Traubenzucker oder Fruchtsaft und warte auf den Rettungsdienst

Glukagon spritzen

  • Schutzkappe von Nadel und Flasche mit dem Glukagonpulver entfernen.
  • Die Spritze enthält bereits ein Lösungsmittel, welches nun in die Flasche mit dem Glukagonpulver gespritzt wird.
  • Nun die Flasche mit dem Lösungsmittel und Pulver schwenken, bis sich das Pulver aufgelöst hat. Dabei auf keinen Fall die Spritze aus der Flasche herausziehen.
  • Nun den Kolben der Spritze nach oben ziehen, um das in der Flüssigkeit gelöste Glukagon in die Spritze aufzunehmen.
  • Mit zwei Fingern (am besten Daumen und Zeigefinger), eine Hautfalte am Oberarm oder Oberschenkel zusammendrücken. Nun die Spritze möglichst senkrecht und leicht einstechen und den Kolben herunterdrücken. Das Glukagon wirkt, sobald es unter die Haut oder in einen Muskel injiziert wurde.

Symptome bei Überzuckerung

Eine Überzuckerung (Hyperglykämie) besteht, wenn der Blutzucker über die mit dem Arzt vereinbarten Zielwerte steigt, aber auf jeden Fall wenn er über 160 mg/dl (8,8 mmol/l) liegt.

Ab 250 mg/dl (13,9 mmol/l) spricht man von einer diabetischen Ketoazidose. Dabei handelt es sich um eine schwere Entgleisung des Stoffwechsels, die ein Notfall ist und gezielter Erster-Hilfe-Maßnahmen bedarf. Meist sind Menschen mit Typ-1-Diabetes davon betroffen, weil die Bauchspeicheldrüse gar kein oder nur wenig eigenes Insulin mehr produziert. Die Glukose im Blut kann so nicht von den Zellen aufgenommen werden. Der Zucker verbleibt im Blutkreislauf und der Blutzuckerspiegel steigt.

Dadurch muss der Körper den Energiebedarf der Zellen anders decken, wozu er vor allem Fettreserven abbaut, wobei saure Ketonkörper entstehen, die wiederum zu einer Übersäuerung (Azidose) führen können. Die Ketonkörper werden deshalb zum Teil über die Atemluft (Atem riecht süßlich), aber auch über den Harnstoff ausgeschieden. Bei Überzuckerung kommt es deshalb zu vermehrtem Harndrang und – damit einhergehend – zu einem Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten.

Maßnahme Nummer eins bei Überzuckerung ist deshalb die erhöhte und sofortige Flüssigkeitszufuhr. Wird die diabetische Ketoazidose nicht behandelt und werden keine Gegenmaßnahmen eingeleitet, kann sie im schlimmsten Fall zum lebensgefährlichen diabetischen Koma führen. Deshalb ist es wichtig, dass die Ursache schnell identifiziert und behandelt wird. Bei Nicht-Diabetikern ist die Hauptursache für eine Überzuckerung ein noch nicht diagnostizierter Diabetes.

Symptome bei Überzuckerung:

  • starkes Durstgefühl
  • verstärkter Harndrang
  • Atem riecht süßlich
  • Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Antriebsarmut
  • Übelkeit, Erbrechen
  • trockener Mund
  • Appetitlosigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • vertiefte Atmung
  • Sehstörungen
  • sinkender Blutdruck

Mögliche Ursachen einer Überzuckerung

Zu den Auslösern einer Überzuckerung zählen u.a.: 

  • ein nicht-diagnostizierter Diabetes (Neumanifestiation)
  • zu viele Kohlenhydrate
  • weniger Bewegung als üblich
  • fehlerhafte oder fehlende Einnahme von Diabetesmedikamenten / Insulin
  • Medikamente mit Einfluss auf die Insulinwirkung (z.B. Cortison-Präparate, Diuretika)
  • Erkrankungen und Infekte (z.B. Grippe, Magen-Darm-Infekt)
  • akute Ereignisse (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall)
  • körperlicher oder seelischer Stress (z.B. vor Operationen, nach Verlusten)

Bei Überzuckerung richtig reagieren

Die wichtigste Grundregel im Umgang mit einer akuten Überzuckerung lautet: Viel trinken! Außerdem sollte schnell wirkendes Insulin verabreicht werden. Danach körperliche Anstrengung meiden. Bei Unwohlsein oder Unsicherheit mit der Selbstbehandlung unbedingt einen Arzt kontaktieren. Das gilt auch, wenn der Blutzuckerspiegel trotz Flüssigkeitszufuhr und/oder Insulin in den nächsten Stunden erhöht bleibt und die Symptome sich nicht bessern.

Durch den erhöhten Zuckergehalt im Urin, der durch die Überzuckerung bedingt ist, benötigt der Körper deutlich mehr Flüssigkeit – Dehydration und Elektrolytmangel drohen. Bei extrem hohen Blutzuckerwerten von mehr als 33,3 mmol/l bzw. 600 mg/dl besteht ohne adäquate Behandlung gar die Gefahr eines sogenannten hyperosmolaren Komas. Solch extreme Entgleisungen des Blutzuckerwertes müssen sofort ärztlich behandelt werden. 

Um häufige Überzuckerungen zu vermeiden, analysiere (und dokumentiere!) nach jeder Überzuckerung potentielle Auslöser und Symptome. Das hilft dir, dein Verhalten entsprechend anzupassen und zukünftigen Überzuckerungen zu vermeiden. Sprich das Thema und konkrete Vorfälle auch immer bei deinem behandelnden Arzt an. 

So vermeidest du Überzuckerung

Hohe Blutzuckerwerte können durch verschiedene Umstände ausgelöst werden. Wichtig ist, dass du mögliche Auslöser kennst und entsprechend handelst:

  • Zu viele Kohlenhydrate: Kohlenhydrathaltige Snacks (Kuchen, Obst, etc.) zwischen den Hauptmahlzeiten lassen deinen Blutzuckerspiegel ebenso ansteigen wie größere Portionen als normalerweise.

    Tipp: Achte auf eine Regelmäßigkeit in deiner Ernährung.
  • Weniger Bewegung: Bewegst du dich aufgrund von akuten Beschwerden weniger als üblich, oder gönnst du dir einen Ruhetag, kann dein Blutzucker höher sein als an aktiven Tagen.

    Tipp: Achte auf ausgleichende Maßnahmen, falls du dich einmal nicht wie gewohnt bewegen kannst.
  • Fehlerhafte Einnahme: Vergisst du das Spritzen von Insulin oder die Einnahme blutzuckersenkender Medikamente bzw. nimmst du diese zu spät oder nicht in ausreichender Menge zu dir, wirkt sich das natürlich auf deinen Blutzucker aus.

    Tipp: Kleine digitale oder analoge Erinnerungen helfen dir, den Überblick zu bewahren. 
  • Neue Medikamente: Bestimmte Medikamente schränken die Insulinwirkung ein. Vor allem Cortison lässt den Blutzucker in der Regel sehr stark ansteigen.

    Tipp: Besprich mögliche Auswirkungen neuer Medikamente auf den Blutzucker mit deinem Arzt.
  • Infekte: Unentdeckte bzw. unbehandelte Infekte wie Harnwegsinfektionen oder starke Erkältungskrankheiten lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen.

    Tipp: Achte auf mögliche Infekte und eine adäquate Behandlung.
  • Operationen: Eine Operation bedeutet Stress für den Körper. Die ausgeschütteten Stresshormone lassen deine Blutzuckerwerte steigen.

    Tipp: Weise vor einer geplanten Operation auf deine Diabeteserkannung hin und besprich notwendige Behandlungsschritte mit deinen Ärzten. 
  • Psychischer Stress: Anhaltender familiärer oder beruflicher Stress wirkt sich ebenso negativ auf deinen Blutzucker aus wie plötzlich entstehende Stresssituationen, etwa durch belastende Ereignisse oder persönliche Verluste.

    Tipp: Versuche deinen Umgang mit Stresssituationen zu verändern und scheue dich auch nicht davor dir Hilfe zu holen.

Diabetes Typ 2

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Wie genau misst man eigentlich den Blutzucker und wie rechnet man Deziliter (mg/dl) und Millimol pro Liter (mmol/l) um? Und welche Blutzuckerwerte sind eigentlich normal, welche sind hoch? Ab wann spricht man von Diabetes mellitus?

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Ernährung

Die Ernährung hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Risiko, ob du an einem Typ-2-Diabetes erkrankst. Ebenso wichtig ist die Ernährung zur Behandlung bei bestehender Zuckerkrankheit, da sie den Blutzuckerspiegel maßgeblich beeinflusst.

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Quellen

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes. 2. Auflage. Konsultationsfassung. Stand: 2020

Petersmann A, Müller-Wieland D, Müller UA, Landgraf R, Nauck M, Freckmann G et al. Definition, Classification and Diagnosis of Diabetes Mellitus. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2019; 127(S 01)

Stand: 09.2022