Insulin beim Typ-2-Diabetes

Sollten sich deine Blutzucker-Werte durch eine konsequente Ernährungsumstellung und mehr körperliche Bewegung nur wenig verbessern, wirst du zusätzlich blutzuckersenkende Tabletten verordnet bekommen. Führen auch diese Medikamente nicht zum gewünschten Erfolg oder stellt sich heraus, dass dein Körper insgesamt schon zu wenig eigenes Insulin produziert, kann eine Insulintherapie notwendig werden. Dafür stehen heute viele verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die du so dosieren und kombinieren kannst, dass sie auch problemlos in deinen Alltag passen. Du möchtest darüber schnell und bequem von Zuhause oder unterwegs mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen? Dann nutze die Video­sprechstunde in deiner Curalie App oder unsere Web-Anwendung digital doctor.

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Aktuelles

Die elektronische Krankschreibung. Was ist neu?

So funktioniert die Insultintherapie

Während beim Typ-1-Diabetes eine Insulingabe immer notwendig ist, weil die Bauchspeicheldrüse selbst kein Insulin mehr produziert, steht Menschen mit einem Typ⁠-⁠2⁠-⁠Diabetes eine ganze Reihe konservativer Therapien zur Verfügung, mit denen sie ihre Blutzuckerspiegel auf ein gesundes Niveau senken können. Die folgenden Anzeichen sprechen jedoch in der Regel eindeutig dafür, dass Typ-2-Menschen mit Diabetes zusätzliches Insulin benötigen:

  • Sie verfehlen ihre individuellen Blutzucker- und HbA1c-Ziele, obwohl alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft wurden.
  • Sie haben ungeplant und ungewollt Gewicht verloren.
  • Azeton tritt im Urin auf, bei gleichzeitig deutlicher Harnzuckerausscheidung)
  • ggf. weitere Zeichen der schlechten Diabeteseinstellung wie Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Nervenschmerzen – dies ist zwingend mit dem Arzt abzuklären!

Diabetes Typ 2

Ernährung

Was, wann und wie viel du isst und trinkst, beeinflusst nicht nur maßgeblich dein Diabetes-Risiko, mit den richtigen Lebensmitteln lässt sich ein zu hoher Blutzuckerspiegel auch wieder dauerhaft senken. Hier zeigen wir dir, wie viele schmackhafte Zutaten du dafür nutzen kannst und was du lieber von deinem Speiseplan streichen solltest.

Diabetes Typ 2

Bewegung

Menschen, die ihren Alltag überwiegend im Sitzen verbringen (wie heutzutage leider die meisten von uns), haben ebenfalls ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Der Umkehrschluss stimmt allerdings auch: Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, die Weltgesundheits­organisation WHO empfiehlt 20 Minuten täglich, kann einem Typ⁠-⁠2⁠-⁠Diabetes buchstäblich davonlaufen oder davonradeln. 

Die Insulin-Therapie sollte auf deine Bedürfnisse zugeschnitten sein und deinem individuellen Gesundheitsprofil entsprechen. Welche Therapieform dir am besten hilft, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel:

  • wie dein Blutzucker über den Tag hinweg verläuft
  • wie wirksam andere Medikamente bei dir sind
  • welche Nebenerkrankungen du hast
  • wie du dich ernährst
  • ob und, wenn ja, wie stark übergewichtig du bist
  • wie leicht oder schwer es dir fällt, Insulin zu spritzen und die richtige Menge Mahlzeiteninsulin zu berechnen

Die verschiedenen Therapieformen unterscheiden sich darin …

  • welche Art von Insulin zu Einsatz kommt (kurz-, langwirkend oder beides)
  • wie oft Insulin gespritzt wird (ein-, zwei- oder dreimal pro Tag)
  • ob eine feste Insulinmenge verabreicht wird oder ob die Dosis abhängig von Blutzucker und Mahlzeit berechnet bzw. mithilfe eines Korrekturplans bestimmt wird

Unterschiedliche Insulin-Arten

Langwirkende Insuline

Langwirkende Insuline: Die langwirkenden Insuline (Basalinsuline) dienen dazu, den Grundbedarf an Insulin (außerhalb der Mahlzeiten) zu decken. Die Wirkung tritt verzögert ein und hält im Vergleich zum Normalinsulin deutlich länger an. Je nach Zusammensetzung unterscheiden sich die einzelnen Langzeitinsuline erheblich in ihrer Wirkdauer.

NPH-Insulin (Verzögerungsinsulin)

Humaninsulin mit dem Zusatzstoff NPH (Neutrales Protamin Hagedorn), dass die Wirkung des Insulins verzögert und verlängert (andere Verzögerungsinsuline enthalten Zink statt NPH). Da sich aufgrund des Zusatzstoffes Ablagerungen bilden, muss das Insulin vor dem Spritzen gut durchmischt werden.

  • Wirkungseintritt:  45 Minuten bis 2 Stunden nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 4 bis 10 Stunden
  • Wirkdauer: 8 bis 14 Stunden (je nach Dosis)

Langwirkende Analoginsuline

Es gibt mehrere Sorten, die sich in ihrer chemischen Struktur und dadurch auch in ihrer Wirkdauer unterscheiden. 

Insulin glargin: 

  • Wirkungseintritt: 2 bis 4 Stunden nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: keines
  • Wirkdauer: 20 bis 26 Stunden

Insulin detemir: 

  • Wirkungseintritt: 1 bis 2 Stunden nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 8 bis 10 Stunden
  • Wirkdauer: 12 bis 20 Stunden

Insulin degludec: 

  • Wirkungseintritt: 1 bis 2 Stunden nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 24 Stunden
  • Wirkdauer: mehr als 48 Stunden

Kurzwirkende Insuline

Die kurzwirkenden Insuline (Bolusinsuline) werden vor dem Essen gespritzt, um den Blutzuckeranstieg durch die Aufnahme von Kohlenhydraten auszugleichen und erhöhte Werte zu korrigieren. Die speziell für diesen Zweck entwickelten Analoginsuline wirken schneller als Normalinsulin.  

Normalinsulin

Künstlich hergestelltes Humaninsulin ohne Zusatzstoffe – früher war auch der Begriff „Altinsulin“ gebräuchlich, um Normalinsulin von den Analoginsulinen abzugrenzen.

  • Wirkungseintritt: 15 bis 60 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 1 bis 4 Stunden
  • Wirkdauer: 4 bis 6 Stunden (je nach Dosis)

Kurzwirkende Analoginsuline

Im Vergleich zum Humaninsulin zerfällt das kurzwirkende Analoginsulin aufgrund seiner Zusammensetzung schneller in seine Einzelmoleküle, die dadurch früher wirksam werden. Wie bei den langwirkenden Analoginsulinen gibt es mehrere Wirkstoffe (Insulin aspart, Insulin glulisin, Insulin lispro), die sich jedoch in ihrer Wirkung weniger unterscheiden und daher hier zusammengefasst werden. 

  • Wirkungseintritt:  5 bis 15 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 1 bis 3 Stunden
  • Wirkdauer: 1,5 bis 5 Stunden

Mischinsuline

Mischinsuline (Kombinationsinsuline) aus lang- und kurzwirkendem Insulin sorgen für eine kontinuierliche Insulinversorgung und wirken zugleich dem Blutzuckeranstieg beim Essen entgegen. Aufgrund des darin enthaltenen Verzögerungsinsulins ist die Flüssigkeit trüb und muss vor Gebrauch gut durchgemischt werden. 

Kombination Normalinsulin / NPH-Insulin

Entscheidend ist das Mischverhältnis – also der jeweilige Anteil an Normal- bzw. NPH-Insulin. Auf den Arzneimittelverpackungen verweist die Zahl hinter dem Handelsnamen auf den prozentualen Anteil an Normalinsulin. Sind zwei Zahlen mit Querstrich angegeben, steht die erste immer für das Normalinsulin und die zweite für das NPH-Insulin.

  • Wirkungseintritt: 15 bis 30 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 3 bis 5 Stunden
  • Wirkdauer: 8 bis 14 Stunden

Kombination Analoginsulin / NPH-Insulin

Im Vergleich zum Humaninsulin zerfällt das kurzwirkende Analoginsulin aufgrund seiner Zusammensetzung schneller in seine Einzelmoleküle, die dadurch früher wirksam werden. Wie bei den langwirkenden Analoginsulinen gibt es mehrere Wirkstoffe (Insulin aspart, Insulin glulisin, Insulin lispro), die sich jedoch in ihrer Wirkung weniger unterscheiden und daher hier zusammengefasst werden. 

  • Wirkungseintritt: 5 bis 15 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 1-3 Stunden
  • Wirkdauer: 8 bis 14 Stunden

Mischinsuline

Mischinsuline (Kombinationsinsuline) aus lang- und kurzwirkendem Insulin sorgen für eine kontinuierliche Insulinversorgung und wirken zugleich dem Blutzuckeranstieg beim Essen entgegen. Aufgrund des darin enthaltenen Verzögerungsinsulins ist die Flüssigkeit trüb und muss vor Gebrauch gut durchgemischt werden.

Kombination Normalinsulin / NPH-Insulin

Entscheidend ist das Mischverhältnis – also der jeweilige Anteil an Normal- bzw. NPH-Insulin. Auf den Arzneimittelverpackungen verweist die Zahl hinter dem Handelsnamen auf den prozentualen Anteil an Normalinsulin. Sind zwei Zahlen mit Querstrich angegeben, steht die erste immer für das Normalinsulin und die zweite für das NPH-Insulin.

  • Wirkungseintritt: 15 bis 30 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 3 bis 5 Stunden
  • Wirkdauer: 8 bis 14 Stunden

Kombination Analoginsulin / NPH-Insulin

Die Analoginsuline sind schnellwirkend – ihre Funktion besteht im Ausgleich des Blutzuckeranstiegs beim Essen. Die Wirkung hängt vom Mischverhältnis und der verabreichten Dosis ab. Die Zahl hinter dem Handelsnamen auf den Arzneimittelverpackungen steht für den Anteil des Analoginsulins. 

  • Wirkungseintritt: 5 bis 15 Minuten nach dem Spritzen
  • Wirkmaximum: nach 1-3 Stunden
  • Wirkdauer: 8 bis 14 Stunden

Welche Formen der Insulintherapie gibt es?

Basal unterstützte orale Therapie (BOT)

Aufbau:

  • Kombination aus oralen Antidiabetika (blutzuckersenkende Tabletten) und Basalinsulin (entweder NPH-Verzögerungsinsulin oder langwirkendes Analoginsulin).
  • Das Insulin wird meist vor dem Schlafengehen gespritzt und hilft dem noch vorhandenen körpereigenen Insulin, den täglichen Grundbedarf zu decken. 

Vorteile: 

  • Die basal unterstützte orale Therapie (BOT) ist ein besonders einfaches Therapieschema, das eingesetzt wird, wenn Tabletten allein nicht mehr ausreichend wirken. 
  • Durch die Insulingabe am späten Abend ist die BOT vor allem dazu geeignet, hohe Blutzuckerwerte am Morgen in den Griff zu bekommen. 
  • Das Risiko für Gewichtszunahme und Unterzuckerungen ist bei der BOT deutlich geringer als bei alleiniger Insulintherapie.  Bei der BOT können zusätzlich zum Insulin noch sogenannte GLP-1-Agonisten gespritzt werden, die die Herstellung von körpereigenem Insulin fördern (und darüber hinaus beim Abnehmen helfen). 

Nachteile:

  • In der Regel dauert es eine Weile, bis das Spritzen zur Routine wird. 
  • Nicht immer lässt sich durch die BOT eine Blutzuckersenkung im angestrebten Maße erreichen. In dem Fall kommt ein Wechsel zur Basis-Bolus-Therapie in Frage.

Supplementäre Insulintherapie (SIT)

Aufbau:

  • Kombination aus Tabletten und kurzwirkendem Insulin (Bolus-Insulin)
  • Das Insulin (meist kurzwirkendes Analoginsulin) wird vor den Mahlzeiten gespritzt und hilft dem noch vorhandenen körpereigenen Insulin, den erhöhten Blutzucker nach dem Essen zu regulieren. 

Vorteile: 

  • Menschen mit Diabetes können flexibel entscheiden, was und wann sie essen, da der Anstieg des Blutzuckers durch zusätzliches Insulin ausgeglichen wird. 
  • Die supplementäre Insulintherapie ist – nicht nur, aber vor allem – für Menschen mit Diabetes mit einer uneinheitlichen Tagesstruktur geeignet, die gelegentlich Mahlzeiten auslassen. 
  • Da weniger Insulin gespritzt wird als bei anderen Insulintherapien ist es leichter, Gewicht zu reduzieren.  

Nachteile:

  • Im Vergleich zur BOT ist der Aufwand höher, da mehrfach täglich der Blutzucker gemessen und Insulin gespritzt werden muss. 

Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

Aufbau: 

  • Dem natürlichen Stoffwechsel nachempfunden: Basalinsulin (langwirkendes Insulin) für den Grundbedarf und Bolus-Insulin (kurzwirkendes Insulin), um den Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen zu regulieren.
  • Basalinsulin wird ein- bis zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten gespritzt.
  • Bolus-Insulin wird vor jedem Essen gespritzt (zeitlicher Abstand nach ärztlicher Absprache); die Dosis ist von mehreren Faktoren abhängig (z.B. dem aktuellen Blutzucker) und muss jedes Mal berechnet werden. 

Vorteile: 

  • Volle Entscheidungsfreiheit bei der Frage, was und wann gegessen wird. 
  • Bedarfsgerechte Insulinabgabe, daher ist das Risiko einer Unterzuckerung geringer als bei der konventionellen Insulintherapie.
  • Die intensivierte Insulintherapie ist – nicht nur, aber vor allem – bestens für Menschen mit Diabetes geeignet, deren Bauchspeicheldrüse kaum noch Insulin herstellt.

Nachteile:

  • Höhere Eigenverantwortung und – gerade zu Beginn – ein relativ hoher Aufwand bei der Umsetzung.

Konventionelle Insulintherapie (CT)

Aufbau:

  • Vorgeschriebene Menge an Mischinsulin: Die Kombination aus lang- und kurzwirkendem Insulin wird in der Regel jeweils vor dem Frühstück und vor dem Abendessen gespritzt. 
  • Die feste Insulindosis gibt den Essensplan vor – also was, wann und wie oft Kohlenhydrate aufgenommen werden müssen (eventuell auch durch Zwischenmahlzeiten).

Vorteile: 

  • Die konventionelle Insulintherapie ist einfacher (keine Berechnung der Insulinmenge) und erfordert einen geringeren Aufwand (weniger Blutzuckermessungen) als die intensivierte Insulintherapie. 

Nachteile:

  • Der Preis der Einfachheit ist die Starrheit der konventionelle Therapie: Um Entgleisungen des Blutzuckers zu vermeiden, müssen zum vorgeschriebenen Zeitpunkt festgelegte Kohlenhydratmengen gegessen werden – auch bei fehlendem Appetit. 
  • Falls Zwischenmahlzeiten im Rahmen der Therapie erforderlich sind, wird das Abnehmen erschwert.
  • Werden eingeplante Kohlenhydrate weggelassen, besteht das Risiko einer Unterzuckerung.

Diabetes Typ 2

Ursachen & Risikofaktoren

Vor allem ein bestimmter Lebensstil – ungesundes Essen, Bewegungsmangel, Rauchen – erhöht das Risiko für Typ⁠-⁠2⁠-⁠Diabetes. Dieses Kapitel erklärt dir genauer, wie der Glukosestoffwechsel entgleisen kann, zeigt dir aber vor allem Wege auf, wie du frühzeitig gegensteuern kannst.

Piks um Piks: Insulin richtig spritzen

Insulin injizieren will gelernt sein. Dabei ist es wichtig, die Stärke der Haut zu beachten, geeignete Injektionszonen zu kennen und die richtige Nadellänge zu wählen. Nur mit einer guten Injektionstechnik wird das Insulin auch optimal aufgenommen. 

  • Insulin-Pen: Früher mussten sich Menschen mit Diabetes ihre Insulinspritzen selbst aufziehen – das war mühselig und fehleranfällig. Seit der Einführung des unauffälligen Insulin-Pens (eng. Pen = Stift) ist das Spritzen viel einfacher: Mithilfe des Dosierknopfs sind die erforderlichen Insulineinheiten schnell eingestellt. Vor dem Gebrauch muss der Pen mit einer Insulin-Patronen befüllt werden. Es gibt aber auch Fertig-Pens (Einweg-Pens), die bereits Insulin enthalten und nach (mehrmaligem) Gebrauch weggeworfen werden. 
  • Insulin-Einheiten: Fertig-Pens gibt es mit unterschiedlichen Insulin-Konzentrationen. Der Standard ist U 100: Das heißt, ein Milliliter Flüssigkeit enthält 100 Insulin-Einheiten (IE). Wenn du sehr viel Insulin spritzen musst, wird dein Arzt dir vielleicht U-200- oder U-300-Pens verordnen – dann kommt auf einen Milliliter die doppelte bzw. dreifache Menge Insulin. Der Vorteil besteht darin, dass du dadurch weniger Flüssigkeit spritzen musst. An der Berechnung der Insulin-Einheiten ändert sich aber nichts.  
  • Spritzstelle: Das Insulin muss ins Fettgewebe unter der Haut gespritzt werden – das geht am einfachsten an Bauch, Oberschenkel oder Po. Am Bauch wirkt das Insulin am schnellsten – optimal für das kurzwirkende Insulin vor der Mahlzeit. Für langwirkendes Insulin sind Oberschenkel und Po am besten geeignet. Wichtig auch: Niemals durch die Kleidung spritzen! 
  • Spritzplan: Du solltest die Einstichstelle regelmäßig wechseln, um Verdickungen oder Verhärtungen zu vermeiden. Solche Gewebeveränderungen können dazu führen, dass Insulin schwerer ins Blut gelangt. Erstell darum einen Übersichtsplan, in den du einträgst, wann und wo du gerade gespritzt hast. Dann kannst du regelmäßig wechseln, zum Beispiel nach folgendem Schema: eine Woche rechter Bauch/Oberschenkel, eine Woche linker Bauch/Oberschenkel.
  • Nadellänge: Auch Menschen mit größeren Fettpolstern sollten möglichst kurze Nadeln (4 oder 5 mm) verwenden. Längere Nadeln können komplett durch das Unterhautfettgewebe gehen und den darunter liegenden Muskel treffen – das ist unter Umständen schmerzhaft und sorgt für eine schnelle, unkontrollierte Insulinaufnahme (Risiko für Unterzuckerung).
  • Nadelwechsel: Die Nadel solltest du möglichst nach jedem Spritzen, zumindest aber täglich wechseln. Neue Nadeln verfügen über einen Gleitfilm, der einen beinahe schmerzfreien Einstich ermöglicht. Durch das (mehrmalige) Eindringen in die Haut stumpfen sie ab und verbiegen sich unmerklich. Nach dem ersten Gebrauch sind Nadeln darüber hinaus nicht mehr steril (keimfrei). 
  • Aufbewahrung: Fertig-Pens oder ungeöffnete Insulinpatronen solltest du im Kühlschrank bei Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad lagern. Lass das Insulin nicht gefrieren – sonst verliert es seine Wirkung. Etwa eine halbe Stunde vor dem Gebrauch nimmst du das Insulin aus dem Kühlschrank. Angebrochenes Insulin kannst du bei Zimmertemperatur lagern und  maximal einen Monat verwenden. Schütze es aber vor direkter Sonneneinstrahlung.  
  • Dokumentation: Die gespritzten Insulineinheiten dokumentierst du in deinem Gesundheitstagebuch. So weißt du vor jeder Injektion, wann und wie viel Insulin du schon gespritzt hast. Das macht es dir leichter, den Blutzucker dauerhaft zu kontrollieren. Auch in der Curalie App kannst du die gespritzten Insulineinheiten eintragen.

Insulin selbst spritzen – so geht’s

  1. Patrone einsetzen:Die Pen-Kappe abziehen, Patronen-Halter abschrauben, Insulin-Patrone einlegen und Halter wieder festschrauben. 
  2. Nadel aufsetzen:Das Schutzpapier der frischen Nadel entfernen und die Nadel mitsamt der Schutzkappen auf den Patronenhalter schrauben oder stecken. Dann die äußere Schutzkappe entfernen, aber nicht wegwerfen. 
  3. Insulin mischen (falls nötig)Solltest du Mischinsulin (kurz- und langwirksames Insulin) oder Verzögerungsinsulin (NPH) verwenden, den Pen mindestens 20 Mal langsam hin- und herschwenken, indem du ihn in der Luft auf den Kopf stellst und wieder umdrehst. 
  4. Pen testen:Ein bis zwei Einheiten Insulin einstellen, den Pen senkrecht in der Hand halten und die Testmenge in die Luft spritzen. Falls nötig, wiederholen, bis Insulin an der Nadelspitze austritt.  
  5. Dosis einstellen:Mit dem Dosierknopf die errechnete Insulinmenge einstellen. Falls du versehentlich zu hoch gehst, die Eingabe korrigieren oder, falls nicht möglich, die Einheiten wegspritzen und die Dosis neu einstellen.
  6. Insulin spritzen:Wenn du sehr schlank bist, in den Oberschenkel spritzt oder die Nadel länger als 5 mm ist, mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger eine lockere Hautfalte bilden. Die Spritze senkrecht aufsetzen, den Dosierknopf langsam durchdrücken und 10 Sekunden warten, bevor du die Spritze wieder herausziehst. 
  7. Nadel entfernen:Die Nadel (Kanüle) möglichst sofort vom Pen nehmen, weil sich ansonsten Luftbläschen in der Insulinpatrone bilden können. Die äußere Schutzkappe auf die Nadel setzen, dann die Nadel herausdrehen und in einen speziellen Behälter werfen. Den Inhalt des Behälters später mit dem normalen Restmüll entsorgen. 

Video-Anleitung: Insulin mit Pen spritzen

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Feinschliff: Bolus und Korrektur

Bolus-Insuline sind Insuline, die zusätzlich zu Basis-Insulinen zu den Mahlzeiten verabreicht werden, um einen erhöhten Blutzucker zu korrigieren oder den Blutzuckeranstieg der nächsten Mahlzeit aufzufangen.

Die Basis-Bolus-Therapie erlaubt viel Spielraum bei der Gestaltung des Speiseplans. Und es gibt noch einen Vorteil: Die Berechnung der richtigen Menge an Bolus-Insulin erfordert etwas Kopfarbeit und hält die grauen Zellen auf Trab. Verständlicherweise haben nicht alle Menschen Lust oder sind nicht in der Lage, vor jeder Mahlzeit mehrere Rechenschritte durchzuführen. Manchmal gibt der Arzt daher auf Grundlage der alltäglichen Ernährungsgewohnheiten die Menge an Mahlzeiteninsulin vor.

Viele Menschen mit Diabetes verwenden auch einen individuellen Korrekturplan: Hier wird die Insulindosis ebenfalls festgelegt, aber nach der Blutzuckermessung bedarfsgerecht angepasst, entweder durch zusätzliche Kohlenhydrate (bei niedrigem Blutzucker) oder durch zusätzliche Insulineinheiten (bei erhöhtem Blutzucker). 

Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung benötigst du also nur, wenn du zur Bestimmung der Bolusmenge keinen Korrekturplan verwendest.

1. Kohlenhydrateinheiten (KE) berechnen

Die Insulinmenge ist abhängig davon, wie viele Kohlenhydrate du isst.

Deren Menge wird zunächst in Kohlenhydrateinheiten (KE) umgerechnet – das ist simpler als die früher üblichen Broteinheiten (BE). Wenn du eine KE-Tabelle nutzt, kannst du die folgende Rechnung abkürzen.

  • Ausgangswerte: Lies auf der Verpackung ab, wie viele Kohlenhydrate pro 100 Gramm das Lebensmittel enthält – bei Nudeln können das zum Beispiel 60 Gramm sein. Dann wiegst du deine Portion (sobald du später mehr Routine hast, kannst du die Menge auch schätzen). So kommst du zum Beispiel auf 150 Gramm Nudeln. 
  • Teilrechnung: Teile den Anteil der Kohlenhydrate (im Beispiel 60) nun durch 100 und multipliziere das Ergebnis mit der abgewogenen Menge. Durch die (Beispiel-)Rechnung 60 : 100 x 150  erhältst du das Gewicht der Kohlenhydrate in deiner Mahlzeit – im Beispiel: 90 Gramm. 
  • Ergebnis: Eine Kohlenhydrateinheit (KE) entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten. Das Teilergebnis muss also noch durch 10 geteilt werden – in unserem Beispiel 90 : 10. Das Gesamtergebnis beträgt hier 9 KE. 

2. Mahlzeiten-Insulin berechnen

Die Insulinmenge ist abhängig vom individuellen Insulinbedarf. Daher werden die zuvor bestimmten Kohlenhydrateinheiten mit deinem persönlichen KE-Faktor in Beziehung gesetzt.  

  • Ausgangswert ist die Anzahl der Kohlenhydrateinheiten, die deine Nahrungsmenge enthält. Wir bleiben bei unserem Beispiel: 9 KE. 
  • Ergebnis: Multipliziere den Ausgangswert mit deinem persönlichen KE-Faktor (zwischen 0,5 und 4). Liegt dein KE-Faktor zum Beispiel bei 2, lautet die (Beispiel-)Rechnung: 9 x 2 = 18 Insulineinheiten (IE). 
  • Wichtig: Der KE-Faktor ist nicht nur individuell unterschiedlich (abhängig von Gewicht, Alter, Geschlecht etc.), sondern auch tageszeitenabhängig. In der Regel erhältst du vom Arzt drei Werte für morgens, mittags und abends.

3. Korrekturfaktor anwenden

Korrekturfaktor anwenden

Die Insulinmenge ist abhängig von deinem aktuellen Blutzucker, dem festgelegten Zielbereich und davon, wie stark eine Insulineinheit deinen Blutzucker senkt. 

Daher wird auf die zuvor errechneten Insulineinheiten noch der individuelle Korrekturfaktor angewendet, der im Rahmen der Diabetesschulung ermittelt wird. 

  • Ausgangswert: Bilde die Differenz aus deinem aktuellen Blutzucker – z.B. 160 mg/dl (8,9 mmol/l) – und dem Zielwert, den du mit deinem Arzt vereinbart hast, z.B. 100 mg/dl (5,6 mmol/l). Im Beispiel sind das 60 mg/dl (3,3 mmol/l). 
  • Teilrechnung: Teile diese Differenz durch deinen persönlichen Korrekturfaktor. Häufig sind das 30 mg/dl (1,7 mmol/l). Dann lautet Rechnung die Rechnung 60 : 30 = 2. Das Teilergebnis entspricht den zusätzlichen Insulineinheiten (IE), die du dem zuvor ermittelten Mahlzeiteninsulin hinzufügen musst. 
  • Gesamtergebnis: Zähle die zuvor ermittelten Insulineinheiten und die zusätzlichen Korrektureinheiten zusammen. Im Beispiel: 18 IE + 2 IE = 20 IE. Diese Insulineinheiten musst du tatsächlich spritzen.

Was bringt die Blutzucker-Korrektur vor dem Schlafengehen?

Nachts kann es zu nächtlichen Unterzuckerungen kommen, weil der schlafende Körper dem fallenden Blutzucker erst verzögert durch Hormone entgegenwirkt. Alkohol, abendlicher Sport und blutzuckersenkende Tabletten können das Problem noch verstärken. Die Folge: Betroffene schlafen schlecht und fühlen sich am nächsten Morgen abgeschlagen. Dass eine nächtliche Unterzuckerung dahintersteckt, wissen viele jedoch nicht.

Die Empfehlung lautet daher, vor dem Schlafengehen auf einen stabilen Blutzucker zu achten. Ist der Wert zu niedrig, solltest du eine kleine Spätmahlzeit einnehmen – je tiefer der Blutzucker, desto größer die Portion. Umgekehrt sollte der Blutzucker natürlich auch nicht zu hoch sein. Falls doch, spritzt du Insulin gemäß Korrekturplan oder Korrekturfaktor.

Wenn du dennoch nächtliche Unterzuckerungen beobachtest, solltest du mit deinem Arzt über die Insulindosis sprechen.

Warum ist der Insulinbedarf morgens am höchsten?

Bei manchen Menschen werden in der zweiten Nachthälfte verstärkt Hormone ausgeschüttet, die dem Insulin entgegenwirken (insbesondere Cortisol und Glukagon). Das führt zum sogenannten Dawn-Phänomen (englisch dawn = Morgendämmerung): Früh am Tag liegt der Blutzucker höher, außerdem wirkt das von außen zugeführte Insulin weniger stark. 

Zudem kommt es bei Diabetes Typ 2 zu einer Überproduktion von Zucker aus der Leber. Das begünstigt ebenfalls den Blutzuckeranstieg am Tagesanfang.

Um den Blutzucker in den Griff zu bekommen, muss zum Frühstück verhältnismäßig viel Mahlzeiteninsulin gespritzt werden – deshalb wird für den Morgen in der Regel ein höherer KE-Faktor angesetzt als für den Mittag oder Abend.

Diabetes Typ 2

Unterzuckerung & Überzuckerung

Hyper- und Hypoglykämien sollen durch eine ausgewogenere Ernährung, ausreichend Bewegung und bei Bedarf mit Medikamenten vermieden werden. Doch gerade zu Beginn einer Diabetes-Behandlung fällt die Ein- und Umstellung oft noch schwer. Dann kommt es darauf an, eine Über- oder Unterzuckerung so früh wie möglich zu erkennen und dann richtig zu reagieren.

Ohne zeitliche Begrenzung

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Diabetes Typ 2

Themen­übersicht

Die wichtigsten Fakten und einen Überblick rund um Diabetes Typ 2 findest du auf unserer Übersichtsseite.

Diabetes Typ 2

Blutzuckerwerte

Wie viel Glukose darf dein Blut vor dem Essen und danach enthalten? Was verbirgt sich hinter dem Kürzel HbA1c? Welche Werte sind in welchem Alter normal, zu hoch oder zu niedrig? Und warum werden sie mal in Milligramm pro Deziliter (mg/dl), mal in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben? Dieses Kapitel sorgt für mehr Klarheit – und hilft dir bei der Umrechnung.         

Diabetes Typ 2

Behandlung

Nein, nicht jeder Typ⁠-⁠2⁠-⁠Diabetes muss sofort mit Insulinspritzen „bekämpft“ werden. Die heutige Behandlung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen und erfolgt stufenweise. Indem du dich gesünder ernährst und körperlich aktiv wirst, kannst du selbst immer am meisten dazu beitragen.

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Quellen

(1) Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale Versorgungsleitlinie Typ⁠-⁠2⁠-⁠Diabetes. 2. Auflage. Konsultationsfassung. Stand: 2020

Stand: 09.2022