Ursachen von Bauchschmerzen

Die Bauchhöhle (lat. Cavitas abdominalis) gehört zu den komplexesten Zonen deines Körpers. Entsprechend viele Auslöser und Ursachen kommen für Bauchschmerzen infrage. Viele davon sind harmlos, z.B. ein verdorbener Magen, manche problematisch, z.B. Nierensteine, und einige gefährlich, z.B. ein Darmverschluss. Deshalb solltest du Bauchschmerzen immer ernst nehmen und im Zweifelsfall immer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Falls du mit einer Ärztin oder einem Arzt schnell und bequem von Zuhause oder unterwegs deine Symptome besprechen möchtest, nutze unsere Video­sprechstunde.

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Aktuelles

Die elektronische Krankschreibung. Was ist neu?

Alles über Bauchschmerzen

Mit seinem Sketch „Der menschliche Körper“ verewigte sich Komiker Otto Waalkes bereits vor über 40 Jahren im Humor-Gedächtnis der Deutschen: Das Publikum ist quasi live dabei, wenn Herr Sost in seiner Stammkneipe als „Saufkopf“ beschimpft wird und sein aufgebrachtes Großhirn einen Wutausbruch in die Wege leitet. Doch vor allem Leber und Milz stören den regen Funkverkehr zwischen den verschiedenen Körperteilen. „Wo bleibt denn der Alkohol?“, beschwert sich das Entgiftungsorgan, „ich kriege ja überhaupt nichts mehr zu tun hier!“ Wenig später foppt die Milz das Auge: „Ich sehe was, was du nicht siehst…“ Und als sich die geballte Faust am Ende nicht traut zuzuschlagen, ruft die Milz vorlaut: „Feigling, Feigling!“ Erst das Kleinhirn kann die Lage beruhigen.1

Heute, 40 Jahre später, ist klar: Otto Waalkes nahm damals auf sehr humorvolle Weise vorweg, was inzwischen in zahlreichen Studien belegt werden konnte. Bauch und Gehirn sind nämlich eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Dir kann also tatsächlich, wie es der Volksmund ausdrückt, „eine Laus über die Leber laufen“ oder „etwas auf den Magen schlagen“ oder du kannst in bestimmten Situationen „deinem Bauchgefühl vertrauen“. Vor diesem Hintergrund bekommen auch Bauchschmerzen nochmal eine ganz andere Bedeutung: Sie sind ein Warnsignal, das du unbedingt ernst nehmen solltest.

Bauchschmerzen können viele Ursachen haben. Viele davon sind harmlos, manche problematisch, einige können gefährlich sein. Du solltest Bauchschmerzen also in jedem Fall ernst nehmen und im Zweifelsfall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Wie häufig sind Bauchschmerzen?

Bauchschmerzen gehören hierzulande zu den häufigsten Gründen, aus denen eine Hausärztin oder ein Hausarzt aufgesucht wird. Von 100 Patientinnen und Patienten haben zwei bis drei, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, abdominelle Probleme. In Notaufnahmen liegt diese Quote noch höher. Von 100 Patientinnen und Patienten haben hier etwa fünf  Bauchschmerzen. Diese sind damit der dritthäufigste Grund für eine Fahrt ins nächstgelegene Krankenhaus.2 Etwa 18-20 % der Deutschen haben darüber hinaus chronische, wiederkehrende Beschwerden im Oberbauch, die Ärztinnen und Ärzte unter dem Fachbegriff Dyspepsie zusammenfassen.3 Hierzulande bekommen schätzungsweise 20 von 100 Menschen einmal in ihrem Leben eine schmerzhafte Magenschleimhautentzündung (med. Gastritis).4 Zwischen 4 und 10 % aller Deutschen leiden am sogenannten Reizdarmsyndrom (RDS).5 Last, not least entwickeln hierzulande von 1000 Personen pro Jahr etwa ein bis zwei eine Blinddarmentzündung (med. Appendizitis).6 Die dann oft notwendige operative Entfernung des Blinddarms gehört daher nicht nur in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen.7 Nur ein paar Beispiele, die zeigen, wie verbreitet Bauchschmerzen sind.

Sprechen Menschen über Bauchschmerzen, meinen sie im Allgemeinen alles Unangenehme, was sich unterhalb ihrer Rippen und oberhalb ihrer äußeren Geschlechtsorgane abspielt.

Je stärker Stress und Hektik ihren Alltag prägen, desto weniger nehmen viele Menschen wahr, wie viel ihr Bauch täglich leistet und wie umfassend er das persönliche Wohlbefinden beeinflussen kann. Erst wenn er auf einmal wehtut, wenn sich in ihm etwas verkrampft, wenn er sich aufgebläht anfühlt oder durch Erbrechen und Durchfall möglichst schnell etwas loswerden will, wird er uns wieder (schmerzlich) bewusst.

Oberbauch

Schmerzen im Oberbauch

Schmerzen im Oberbauch können auf Verdauungsprobleme, Entzündungen, Geschwüre oder sogar ernstere Zustände wie Herzprobleme hinweisen. Es ist wichtig, diese Schmerzen nicht zu ignorieren und rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wie entstehen Bauchschmerzen?

Diese Frage ist selbst für Ärztinnen und Ärzte nicht immer eindeutig zu beantworten. Schließlich gehört der Bauchraum beziehungsweise die Bauchhöhle (lat. Cavitas abdominalis) zu den komplexesten Zonen deines Körpers. Sie beherbergt folgende Bauchorgane:

  • Magen
  • Dünndarm
  • Dickdarm
  • Leber
  • Gallenblase
  • Milz
  • Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
  • Nieren
  • Nebennieren
  • Harnleiter

Wie die Bauchhöhle selbst sind auch diese Organe vom Bauchfell (lat. Peritoneum) überzogen. Flach ausgebreitet, hätte das Bauchfell eines Erwachsenen eine Gesamtfläche von 1,6 bis 2 Quadratmetern. Tatsächlich liegt es aber vielerorts gefaltet im Bauch und bildet Bauchfelltaschen. Am sogenannten Mesenterium, einer doppelten Lage Bauchfell, sind Dick- und Dünndarm elastisch aufgehängt. Alles ist durchzogen mit Blutgefäßen, Lymphbahnen und 100–200 Millionen Nervenzellen, die das sogenannte Bauchhirn bilden. Zum Vergleich: Die Hirnrinde eines Hundes besteht etwa aus 160 Millionen Nervenzellen. Lange wurde angenommen, dass das Bauchhirn lediglich für die Verdauung zuständig sei. Heute steht fest: Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse tauschen sich Bauch und Kopf intensiv aus.8, 9 Dabei gehen schätzungsweise 90 % der Informationen von unten nach oben. Nur einen Bruchteil davon nimmst du bewusst wahr, z.B. das übelkeiterregende Alarmsignal, dass sich Giftstoffe im Magen und/oder im Darm befinden. Die allermeisten Informationen gelangen jedoch unterschwellig und vor allem über den Vagusnerv ins limbische System, also in jene Gehirnregion, die vor allem für deine Gefühle zuständig ist. Dass Ärger auf den Magen schlagen oder eine schwierige Entscheidung Bauchschmerzen bereiten kann, ist also mehr als eine Binsenweisheit. Immer mehr Studien belegen mittlerweile, dass deine Psyche die Entstehung, den Verlauf und die Behandlung vieler abdomineller Beschwerden maßgeblich beeinflussen kann.

Klar, auch die Ernährung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Übergewicht, der übermäßige Verzehr und/oder der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel können auf Dauer nicht nur das Risiko für abdominelle Beschwerden erhöhen. Auch zahlreiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen können durch eine ungesunde Ernährung begünstigt werden. Wer z.B. dauerhaft (zu) viel rotes Fleisch isst, zu dem u.a. Rind- und Schweinefleisch gehören, hat sowohl ein erhöhtes Diabetes- als auch ein erhöhtes Darmkrebsrisiko.10, 11

Umgekehrt gilt aber auch: Die Umstellung auf eine gesunde, überwiegend pflanzliche Ernährungsweise und das Weglassen bestimmter Lebensmittel kann nicht nur den Verlauf von abdominellen Erkrankungen positiv beeinflussen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Reizdarmsyndrom (RDS). Betroffene, die konsequent auf schnell vergärende Kohlenhydrate und Zuckeralkohole verzichten, sogenannte „FODMAPs“ haben dadurch in vielen Fällen weniger Beschwerden.12, 13 „FODMAPs“ sind z.B. in Weizenbrot, Milchprodukten, Steinobst, Kohl oder Süßstoffen enthalten. Mehr dazu erfährst du in diesem Abschnitt.

Die Darm-Hirn-Achse, also die neuronale Verbindung zwischen Bauch und Kopf, scheint sogar dafür zu sorgen, dass bestimmte Lebensmittel unsere Stimmung direkt verbessern. Bei dunkler Schokolade mit 85 % Kakaoanteil war das schon länger bekannt. Forschende aus Südkorea fanden jedoch kürzlich in einer Studie heraus, dass täglich 30 Gramm dunkle Schokolade auch das Darmmikrobiom positiv verändern. Ihre Vermutung: Auch ein gesünderer Darm hellt die Stimmung auf, vermittelt über die Darm-Hirn-Achse.14 

Bauch und Kopf sprechen sogar dieselbe „Sprache“: Alle Botenstoffe, die im Gehirn vorkommen, fanden Forschende auch am anderen Ende des Vagusnervs. Das „Glückshormon“ Serotonin z.B. beeinflusst deine Laune und wird auch im Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen diskutiert.15 Im Darm steuert Serotonin den Rhythmus der Darmtätigkeit und reguliert dort das Immunsystem. Etwa 90 % des körpereigenen Serotonins werden im Bauch gebildet. Von dort kann es zwar nicht ins Gehirn gelangen, das verhindert die Blut-Hirn-Schranke, doch über die Darm-Hirn-Achse könnte das Serotonin im Bauch dennoch unsere Psyche beeinflussen.

Bauchschmerzen

Diagnose

Wer einfach zu viel oder das Falsche gegessen hat, muss nicht unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Doch vor allem, wenn plötzlich sehr starke Bauchschmerzen auftreten, sollten sie umgehend abgeklärt werden. Welche Fachärztin oder welcher Facharzt dann die/der Richtige ist und wie die Untersuchungen genau ablaufen, liest du hier.

Bei der Entstehung von Bauchschmerzen können all diese Faktoren eine Rolle spielen. Häufig sind sie aber auch nur das Ergebnis von zu üppigen Mahlzeiten, die obendrein zu schnell verspeist wurden. Dein Magen ist mit solchen Mengen schlicht überfordert. Auch zu viel Alkohol oder verdorbenes Essen können Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Unangenehm, aber solche Magen-Darm-Probleme bekommst du in der Regel mit bewährten Hausmitteln gut in den Griff (mehr dazu erfährst du in diesem Abschnitt).

Organe als Ursache für Bauchschmerzen

Anders verhält es sich, wenn eines deiner Bauchorgane erkrankt oder durch eine Erkrankung an anderer Stelle in seiner Funktion eingeschränkt ist.

Dies kann z. B. aus folgenden Gründen der Fall sein:

  • Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze) infizieren eines deiner Bauchorgane. Dein Immunsystem fängt an, sie zu bekämpfen. Infolgedessen kann es zu einer Entzündungsreaktion in dem betroffenen Organ kommen.
  • Gift- oder Schadstoffe (med. Noxen) reichern sich in einem Bauchorgan an und lösen eine Entzündung aus. So kann es z.B. durch den Übergebrauch bestimmter Schmerzmittel oder durch eine Nahrungsmittelvergiftung zu einer akuten Magenschleimhautentzündung (med. Gastritis) kommen.
  • Das Immunsystem kann fälschlicherweise gesunde Teile eines Bauchorgans wie Krankheitserreger angreifen und dadurch eine chronische Entzündung verursachen. Dies ist z.B. bei Morbus Crohn der Fall, einer Autoimmunkrankheit, die vor allem den Dick- und/oder den Dünndarm betrifft.
  • Ein Tumor kann sich in einem Bauchorganen, z.B. im Darm oder in der Leber, bilden. Dieser kann nicht nur die Funktion des befallenen Organs beeinträchtigen, sondern es können sich im weiteren Verlauf auch Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen entwickeln. Darüber hinaus können Tumore in der Bauchhöhle immer mehr Raum einnehmen und dadurch andere Bauchorgane verschieben und/oder einklemmen.  
  • Wie bei einem Schlaganfall im Gehirn kann es auch im Bauchraum zu Gefäßverschlüssen kommen. Sie können dazu führen, dass Gewebe und Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dies ist z.B. bei einer Darmischämie der Fall, bei der Darmgewebe geschädigt wird und sogar absterben kann.
  • Werden Nervenbahnen z.B. bei einer Bauchoperation verletzt oder verändern sie sich durch eine Erkrankung, können wichtige Signale nicht mehr weitergeleitet werden. Dadurch können z.B. die Darmbewegungen gestört werden und es kann zu einem Darmverschluss (med. paralytischer Ileus) kommen. Forschende fanden außerdem heraus, dass es bei Menschen mit Parkinson nicht nur im Kopf, sondern auch im Bauch zu charakteristischen Nervenschädigungen kommt. Dopamin-produzierende Zellen sterben ab. Das Erstaunliche: Bei vielen Parkinson-Patienten scheint dies zuerst im Bauch zu geschehen, lange bevor sich die Krankheit im Gehirn zeigt. Bestimmte Magen-Darm-Beschwerden könnten also – in seltenen Fällen – ein Frühwarnzeichen für Parkinson sein.
  • Durch Unfälle, Stürze, Stöße oder Schläge können Bauchorgane verletzt oder gequetscht werden. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem Bauch- oder Abdominaltrauma.

Bauchmitte

Schmerzen in der Bauchmitte

Vor allem ein sogenannter Nabelbruch, Nierensteine oder eine Nierenbeckenentzündung können in dieser Zone Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe (Koliken) auslösen. Aber gerade Probleme an oder in den Nieren machen sich häufig erst spät bemerkbar. Wie du vorsorgen kannst? Auch das erklären wir dir in diesem Kapitel.

Erkrankungen als Ursache für Bauchschmerzen

Bauchschmerzen können sich in all diesen Situationen entwickeln. Bei einer Leberentzündung (Hepatitis) z. B. kann die Leber anschwellen. Dadurch wird die empfindliche Leberhülle („Leberkapsel“) überdehnt. Starke Schmerzen im Oberbauch können die Folge sein. Nicht immer ist es jedoch so einfach, vom Schmerz auf die richtige Ursache zu schließen. Wenn ein Organ im Bauchraum entzündet, gereizt oder verletzt ist, kann diese Reizung auch auf das umliegende Bauchfell übergreifen. Das Bauchfell reagiert dann ebenfalls mit einer Entzündungsreaktion, die dumpfe, drückende und/oder krampfartige Bauchschmerzen verursachen kann. Diese treten jedoch nicht immer an derselben Stelle auf. Was sich möglicherweise wie eine Blasen- oder Blinddarmentzündung anfühlt, kann also auch andere Ursachen haben.

Darüber hinaus können Schmerzen, die von anderen Erkrankungen ausgelöst werden, in den Bauch ausstrahlen, z.B.:16

  • Angina pectoris (Stenokardie): Bilden sich in den Arterien, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, Engstellen, entwickeln sich insbesondere bei körperlicher Anstrengung oder bei emotionaler Belastung unangenehme Engegefühle in der Brust und/oder starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die auch in den Bauch ausstrahlen können.
  • Herzinfarkt: Plötzliche stechende Brustschmerzen, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen können, sind die „klassischen“ Symptome bei einem Herzinfarkt. Doch vor allem Frauen neigen eher dazu, atypische Beschwerden zu entwickeln: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atembeschwerden und/oder extreme Müdigkeit. Derartige Symptome können leicht mit Magen-Darm-Problemen oder allgemeinem Unwohlsein verwechselt werden, was dazu führen kann, dass der Herzinfarkt nicht sofort erkannt wird.
  • Sodbrennen (Reflux): Löst die immer wieder aufsteigende Magensäure nicht nur in der empfindlichen Speiseröhre, sondern auch in benachbarten Strukturen eine Entzündung aus, kann sich der typische Reflux-Schmerz hinter dem Brustbein auch in den oberen Bauchbereich ausbreiten. Dies geschieht vor allem, wenn der Reflux besonders stark ist oder wenn es zu einer Entzündung der Magenwand kommt. Die Refluxkrankheit ist hierzulande die häufigste Erkrankung des oberen Gastrointestinaltraktes. Bis zu 40 % der Menschen leiden einmal im Monat unter Refluxbeschwerden (Sodbrennen), 14 % mindestens einmal wöchentlich und 7 % sogar täglich.
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Breitet sich diese Erkrankung auch auf das Zwerchfell aus, das den Brust- und den Bauchraum trennt, und/oder sind auch die Membranen betroffen, die die Lungen umgeben (med. Pleuritis), können die Schmerzen ebenfalls in den Bauch ausstrahlen. Sie können durch Bewegung oder durchs Atmen verstärkt werden.
  • COVID-19: Die häufigsten Beschwerden bei einer Corona-Infektion sind zwar Fieber, Husten, Atemnot, allgemeines Unwohlsein sowie Geruchs- oder Geschmacksstörungen. Da das Virus im Körper aber an einem Rezeptor andockt, der auch in Zellen des Magen-Darm-Trakts vorkommt, können sich bei Menschen mit COVID-19 zusätzlich Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall entwickeln.17, 18

Unterbauch

Schmerzen im Unterbauch

Treten sie auf, denken wohl viele als Erstes an eine Blinddarmentzündung. Doch auch ein sogenanntes Reizdarmsyndrom (RDS) oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) kann immer wieder Schmerzen im Unterbauch verursachen. Klicke hier, wenn du wissen willst, woran du diese Erkrankungen noch erkennst und wie sie behandelt werden.

Lokalisation der Bauchschmerzen liefert wichtige Anhaltspunkte

Hinter Bauchschmerzen können also zahlreiche Ursachen stecken. Es gibt aber auch für medizinische Laien eine Möglichkeit, die Auslöser etwas einzugrenzen. Bauchschmerzen können zwar ausstrahlen und der Bereich, wo es wehtut, kann sich verändern, doch in vielen Fällen lassen sie sich doch recht genau lokalisieren. Kennst du das Spiel „Tic-Tac-Toe“? Du zeichnest auf einem Blatt Papier zwei senkrechte und zwei waagerechte Linien und schaffst so neun quadratische Spielfelder. Ein(e) Mitspieler(in) darf in die Felder nur Kreise malen, die oder der andere nur Kreuze. Wer zuerst drei Kreise oder drei Kreuze in einer Reihe hat, gewinnt.

Und nun stellst du dir vor, dass du ein ziemlich großes Tic-Tac-Toe-Spielfeld auf deinen nackten Bauch zeichnest. In dem kleinen Quadrat in der Mitte (zweite Reihe, zweite Spalte), sollte möglichst dein Bauchnabel liegen. Auf diese Weise kannst du deinen Bauch in neun Zonen einteilen:

oben/rechtsoben/mittigoben/links
mittig/rechtsmittig/mittigmittig/links
unten/rechtsunten/mittigunten/links

Versuche bei Bauchschmerzen, herauszufinden, in welcher Zone oder in welchen Zonen es dir am meisten wehtut. Je genauer du deine Bauchschmerzen lokalisieren kannst, desto schneller kann auch deine Ärztin oder dein Arzt die Ursachen eingrenzen, denn jeder Zone lassen sich bestimmte Bauchorgane zuordnen. Wichtig dabei: Bei dieser Methode handelt es sich nicht um ein wissenschaftlich evaluiertes Diagnoseverfahren. Aber sie kann dir und deiner Ärztin oder deinem Arzt erste Anhaltspunkte liefern. Die folgende Grafik zeigt dir, welche Organe in welchen Bauchschmerz-Zonen betroffen sein können.

Wo schmerzt der Bauch am meisten?

Diese Frage lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Sind z.B. unterschiedliche Abschnitte des Darms entzündet (med. diskontinuierlicher oder segmentaler Befall), was etwa bei Morbus Crohn der Fall sein kann, können sich Schmerzen an verschiedenen Stellen bemerkbar machen. Darüber hinaus können Bauchschmerzen oder Schmerzen in anderen Körperregionen in den Bauch ausstrahlen. Auch das kann ihre Verortung (med. Lokalisation) manchmal erschweren. In der Regel können die meisten Betroffenen jedoch angeben, in welchem der folgenden drei Bereiche die Schmerzen am stärksten sind:19

  • Schmerzen im Oberbauch, also oberhalb des Bauchnabels und unterhalb des Brustkorbs
  • Schmerzen in der Bauchmitte, also auf Bauchnabelhöhe und/oder rechts und/oder links davon
  • Schmerzen im Unterbauch, also unterhalb des Bauchnabels und oberhalb der Geschlechtsorgane

In den nächsten Abschnitten erfährst du, welche abdominellen Erkrankungen zu Schmerzen in den Bereichen eins (Oberbauch), zwei (Bauchmitte) oder drei (Unterbauch) führen können. Vorgestellt werden jeweils die häufigsten Krankheiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Ursache für deine Bauchschmerzen dabei ist, ist also recht hoch. Trotzdem kommen noch viele andere, seltenere Auslöser infrage, die hier nicht beschrieben werden können. Du solltest also möglichst immer eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn deine Bauchschmerzen trotz Selbstbehandlung nicht besser werden und/oder immer wiederkehren. Mehr dazu erfährst du in diesem Abschnitt.

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Autor
Stephan Hillig

ist Diplom-Psychologe und Content-Manager bei Curalie. Er studierte Psychologie, Psychiatrie und Neurologie und arbeitete danach über zehn Jahre als Medizin-Journalist, Redakteur und Ressortleiter in verschiedenen Verlagen und für unterschiedliche Zeitschriften. Am liebsten schreibt er über Gesundheitsthemen, die zeigen, wie eng und kraftvoll Körper und Psyche miteinander verzahnt sind, sowie Texte, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben oder schnell wieder zu werden.

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Quellen

[1] YouTube-Video: https://youtu.be/Lob7Sdxs3b0 (abgerufen am 20. Juni 2023)

[2] Freitag, M.H. (2022). Bauchschmerzen. In Chenot, J.-F. & Scherer, M. (Hrsg.). Allgemeinmedizin (117-122). München: Elsevier.

[3] Haag S, Andrews JM, Gapasin J, Gerken G, Keller A, Holtmann GJ. A 13-nation population survey of upper gastrointestinal symptoms: prevalence of symptoms and socioeconomic factors. Aliment Pharmacol Ther. 2011 Mar;33(6):722-9. doi: 10.1111/j.1365-2036.2010.04564.x. Epub 2011 Jan 5. PMID: 21208245.

[4] Robert Koch-Institut (Hrsg) (2013) Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Gesundheitsbericht-erstattung des Bundes. Heft 55. RKI, Berlin

[5] Layer, P., Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM), Z Gastroenterol 2021; 59(12): 1323-1415, DOI: 10.1055/a-1591-4794

[6] Körner, H., Söndenaa, K., Söreide, J. A., Andersen, E., Nysted, A., Lende, T. H., et al. (1997). Incidence of acute nonperforated and perforated appendicitis: Age-specific and sex-specific analysis. World J. Surg. 21, 313–317. doi: 10.1007/s002689900235

[7] Bhangu, A., Søreide, K., Di Saverio, S., Assarsson, J. H., and Drake, F. T. (2015). Acute appendicitis: Modern understanding of pathogenesis, diagnosis, and management. Lancet 386, 1278–1287. doi: 10.1016/S0140-6736(15)00275-5

[8] Mayeli, A., Al Zoubi, O., White, E.J. et al. Parieto-occipital ERP indicators of gut mechanosensation in humans. Nat Commun 14, 3398 (2023). https://doi.org/10.1038/s41467-023-39058-4

[9] Groundbreaking study reveals new insights into human gut-brain connection, Internetdokument: https://www.eurekalert.org/news-releases/992124 (zuletzt abgerufen am 26.6.2023)

[10] Seiwert, N., Wecklein, S., Demuth, P. et al. Heme oxygenase 1 protects human colonocytes against ROS formation, oxidative DNA damage and cytotoxicity induced by heme iron, but not inorganic iron. Cell Death Dis 11, 787 (2020). https://doi.org/10.1038/s41419-020-02950-8

[11] Mohammad Talaei and others, Meat, Dietary Heme Iron, and Risk of Type 2 Diabetes Mellitus: The Singapore Chinese Health Study, American Journal of Epidemiology, Volume 186, Issue 7, 1 October 2017, Pages 824–833, https://doi.org/10.1093/aje/kwx156

[12] Glaser, J. (2022). Ernährung und/oder Medikamente bei gastroenterologischen Erkrankungen. Ernährung & Medizin, 37(03), 127-132.

[13] Leiß O. Ernährungstherapie beim Reizdarmsyndrom – bei wem FODMAP-arm, bei wem glutenfrei und bei wem anderes?  Verdauungskrankheiten 2020; 38: 97–113

[14] Ji-Hee Shin, Chong-Su Kim, Lina Cha, Sojeong Kim, Seokoh Lee, Suyeon Chae, Woo Young Chun, Dong-Mi Shin, Consumption of 85% cocoa dark chocolate improves mood in association with gut microbial changes in healthy adults: a randomized controlled trial, The Journal of Nutritional Biochemistry, Volume 99, 2022, https://doi.org/10.1016/j.jnutbio.2021.108854

[15] Bamalan OA, Moore MJ, Al Khalili Y. Physiology, Serotonin. 2022 Jul 9. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan–. PMID: 31424752.

[16] Neeraja Murali, Sahar Morkos El Hayek, Abdominal Pain Mimics, Emergency Medicine Clinics of North America,Volume 39, Issue 4, 2021, Pages 839-850, https://doi.org/10.1016/j.emc.2021.07.003.

[17] Nobel, Yael R. et al., Gastrointestinal Symptoms and Coronavirus Disease 2019: A Case-Control Study From the United States, Gastroenterology, Volume 159, Issue 1, 373 – 375.e2

[18] Pan L, Mu M, Yang P, Sun Y, Wang R, Yan J, Li P, Hu B, Wang J, Hu C, Jin Y, Niu X, Ping R, Du Y, Li T, Xu G, Hu Q, Tu L. Clinical Characteristics of COVID-19 Patients With Digestive Symptoms in Hubei, China: A Descriptive, Cross-Sectional, Multicenter Study. Am J Gastroenterol. 2020 May;115(5):766-773. doi: 10.14309/ajg.0000000000000620. PMID: 32287140; PMCID: PMC7172492.

[19] Yamashita S, Tago M, Katsuki NE, et al Relationships between sites of abdominal pain and the organs involved: a prospective observational study BMJ Open 2020;10:e034446. doi: 10.1136/bmjopen-2019-034446

Stand: 08.2023